Rezension: Über uns der Himmel – Annette Lies

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Eine warmherzige, berührende Zeitreise über Aufbruch, verpasste Chancen und späte Versöhnung – Rezension von Elisabeth Sandkötter zu Über uns der Himmel von Annette Lies.

Ueber uns der Himmel

Ueber uns der Himmel von Annette Lies

Über uns der Himmel von Annette Lies (Heyne)
Copyright © Heyne

Lesen, wenn du …

  • historische Frauen- und Freundschaftsromane mit starkem Zeitkolorit magst,
  • Bücher im Stil großer Nachkriegs- und Familiensagas gerne liest,
  • dich für die frühen Jahre der zivilen Luftfahrt und den gesellschaftlichen Wandel der 1960er interessierst,
  • und Geschichten schätzt, in denen Vergangenheit und Gegenwart emotional miteinander verknüpft sind.

„Über uns der Himmel“ verbindet den Traum vom Fliegen mit einer Geschichte über weibliche Selbstbestimmung, Freundschaft und jahrzehntelang verdrängte Schuld – und ist besonders dann stark, wenn hinter der nostalgischen Luftfahrtkulisse die Brüche der Figuren sichtbar werden.

1959 wollen Ursula, Jutta und Rosemarie als Stewardessen bei der Lufthansa durchstarten. Schon das Auswahlverfahren zeigt jedoch, wie eng die Vorstellungen davon sind, wie eine junge Frau damals aussehen und sich verhalten sollte. Gerade Ursula passt nicht recht in das Idealbild – besitzt dafür aber etwas, das sich nicht in Kleidergröße oder Körpermaßen messen lässt: Hartnäckigkeit, Neugier und den unbedingten Wunsch nach einem anderen Leben.

Annette Lies nutzt die Entwicklung der Luftfahrt geschickt als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen. Düsenjets, internationale Strecken und technische Neuerungen stehen neben traditionellen Rollenbildern, Vorurteilen und den Nachwirkungen des Krieges. Dadurch bekommt die Geschichte mehr Substanz als eine reine nostalgische Stewardessen-Saga.

Besonders gelungen ist die zweite Zeitebene im Jahr 2018. Die fast achtzigjährige Ursula hat sich von der Welt zurückgezogen und trägt Entscheidungen aus ihrem früheren Leben noch immer mit sich herum. Nach und nach wird klar, dass ihr beruflicher Aufbruch auch persönliche Verluste und Schuld hinterlassen hat. Diese spätere Perspektive verleiht den oft leichten und humorvollen Szenen der 1960er Jahre eine überraschend melancholische Tiefe.

Der Roman ist umfangreich und erzählt episodisch über viele Jahre hinweg. Wer eine sehr straffe Handlung sucht, könnte manche Station als ausführlich empfinden. Dafür entsteht ein breites Bild einer Generation, die zwischen alten Erwartungen und völlig neuen Möglichkeiten ihren Platz finden musste.

„Über uns der Himmel“ lohnt sich vor allem für Leser:innen historischer Frauenromane und großer Freundschaftsgeschichten. Eine warmherzige, stellenweise sehr berührende Zeitreise über Aufbruch, verpasste Chancen und die Frage, ob es für Versöhnung wirklich irgendwann zu spät sein kann.

Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die redaktionelle Bewertung erfolgt unabhängig.

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