Im Leben nicht – Stefan Wetterau
Nach einem Beinahe-Unfall ist bei Ben plötzlich alles anders – und nur sein demenzkranker Opa scheint zu wissen warum. Ein ungewöhnlicher Roadtrip über Familie, Abschied und das, was wirklich zählt.
An einem nebligen Septembermorgen rast Ben mit dem Auto fast in die Fänge eines Mähdreschers. Er kommt mit dem Schrecken davon, trotzdem ist danach alles anders: Kollegen ignorieren ihn, Freunde vergessen Verabredungen, und seine Eltern erinnern sich kaum an Bens letzten Besuch.
Allein sein demenzkranker Opa Bruno ist mit einem Mal hellwach und bei klarem Verstand – und verschwindet prompt aus dem Pflegeheim.
Damit nicht genug: Eine junge Türkin heftet sich an Bens Fersen. Will sie ihm helfen, oder was führt sie im Schilde? Und was ist mit Henning Teufel, der tatsächlich einen Unfall hatte und seitdem buchstäblich neben sich steht?
Zusammen mit seinem Kumpel Bulette und dessen Metalband-Kollegen nimmt Ben die Suche nach seinem Opa auf. Denn Bruno scheint zu wissen, was mit seinem Enkel los ist. Und er hat für alles stets eine Antwort.
Diese Geschichte verbindet einen ungewöhnlichen Roadtrip mit den großen Themen des Lebens: Familie, Abschied, Alter, Krankheit, Liebe und die Frage, was wirklich zählt. Zwischen skurrilen Begegnungen, humorvollen Dialogen und überraschenden Wendungen entfaltet sich eine Reise, auf der Realität und Unerklärbares auf natürliche Weise ineinanderfließen.
Ein Buch für alle, die Geschichten mögen, die das Herz berühren, den Kopf beschäftigen und mit einem guten Gefühl zurücklassen.
Nachgefragt bei Stefan Wetterau
Was ist der zentrale Kern deines Buches – und worum geht es dir dabei besonders?
Mich beschäftigt schon eine Weile die Frage: Wie kann ich als nicht religiöser Mensch mit dem Verlust nahestehender Menschen auf eine erträgliche Weise umgehen? Und welche Lücke würde entstehen, wenn ich selbst aus dem Leben meiner Liebsten verschwände? Die Anwesenheit der Menschen um uns herum wird an so vielen Tagen als Selbstverständlichkeit hingenommen und die Endlichkeit dieser Beziehungen in den Hintergrund verbannt. Mir geht es mit „Im Leben nicht“ unter anderem darum, den Wert von Freundschaft und Familie im Alltäglichen hervorzuheben. Und es enthält den sanften Aufruf, sich der Begrenzung bewusst zu sein, die uns die Uhr des Lebens auferlegt, und die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen.
Wie ist die Idee zu deinem Buch entstanden, und was hat dich beim Schreiben besonders inspiriert?
Im Jahr 2008 starb mein Großvater, der mich meine Kindheit und Jugend hindurch und darüber hinaus begleitet hat. Es war das erste Mal, dass ich das Lebensende eines Menschen bewusst mitverfolgt habe. Da waren die Traurigkeit und Resignation bei allen Beteiligten, dem Unausweichlichen ins Auge blicken zu müssen. Aber auch der Wille, dazubleiben, die kleinen Momente wertzuschätzen, die Licht in die letzten Tage gebracht haben. Die Fülle an Emotionen, negative wie positive, war so überwältigend, dass ich sie nicht mit einem Mal erfassen konnte. Und sie waren Ausgangspunkt für die eigene intensive Beschäftigung mit dem Thema Lebensende.
„Im Leben nicht“ entstand dann in der Folge und enthält viele dieser persönlichen Gedanken und nur eine der Ideen, was nach dem Tod passieren könnte. Während der vielen Jahre bis zur Veröffentlichung sind dann leider weitere meiner Liebsten gegangen, erst vor kurzem mein Vater und mein Schwiegervater. Das gab mir Kraft und Inspiration, den Roman dieses Jahr zu Ende zu bringen.
Was sollen die Leserinnen und Leser nach der letzten Seite aus deinem Buch mitnehmen?
Ganz wichtig: Ein positives, lebensbejahendes Gefühl, gerade und trotz des schwierigen Ausgangsthemas. Andauerndes Hadern wegen der Endlichkeit ist nicht meine Intention beim Schreiben gewesen. Ben und seine Freunde zeigen auf ihrem Weg durch Stuttgart allen Widrigkeiten zum Trotz einen unbändigen Durst nach dem Leben. Diesen positiven Willen, das jede Sekunde des Lebens zu nutzen, die Lebensfreude möchte ich weitergeben.
Im Sinne des folgenden Zitats, das ich dieser Tage bei Instagram gelesen habe: „Wir alle haben zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn uns bewusst wird, dass wir nur eines haben.“
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