Der Winterspaziergang – Kirsten Richter
Aus der tiefen Freundschaft zwischen Tjarven und Sofia wächst über Jahre eine große Liebe – doch nach Sofias Tod muss Tjarven lernen, sich dem Leben und neuen Begegnungen wieder zu öffnen. Ein leiser, poetischer Roman über Liebe, Verlust und die unerwarteten Verschiebungen des Lebens von Kirsten Richter.
Zwischen dem, was wir suchen, und dem, was wir finden, liegt die leise Energie einer unerwarteten Begegnung.
Dieser queere Roman erzählt aus wechselnden Perspektiven von Freundschaft und Liebe, von Leben, die sich gegenseitig verändern. Ein leises, poetisches Buch, das körperlich denkt und Lesende auf eine innere Reise mitnimmt, in der Zeit nicht linear, sondern emotional fließt. Im Zentrum steht die Frage, wie Begegnungen geschehen, wie Menschen loslassen und einander erkennen, lange bevor sie sich verstehen.
Tjarven, eine sensible Architektin und Romantikerin, erlebt eine Begegnung, die ihr Leben für immer verändert. Aus der tiefen Freundschaft mit Sofia wächst unerwartet und über Jahre eine große Liebe – doch das Glück währt nicht ewig. Sofia stirbt, und Tjarven bleibt zurück, gefangen zwischen Wut, Trauer und der Angst vor der Zukunft.
Haltlos und betäubt vom Schmerz versucht sie, sich inmitten von Erinnerungen und Sofias innerer Stimme dem Leben wieder zu öffnen – für neue Gefühle, neue Beziehungen. Das Auftauchen eines Kelches führt Tjarven zu einer Bildhauerin und bringt die festgefahrene Trauer ins Rutschen. Auch andere Begegnungen stoßen tiefgründige, philosophische Fragen über das Leben, das Festhalten und das Loslassen an. Am Ende ist es wieder ein Winterspaziergang, der alles verändert.
Denn vielleicht ist Identität kein fester Zustand, sondern etwas, das sich in Begegnungen immer wieder neu bildet. Ein literarischer Roman über die unerwarteten Verschiebungen des Lebens – sinnlich, feinfühlig, intensiv und poetisch.
Nachgefragt bei Kirsten Richter
Was ist der zentrale Kern deines Buches – und worum geht es dir dabei besonders?
Die Liebe! Sie ist eigentlich immer da und das in unterschiedlichsten Formen; egal ob in körperlicher oder philosophischer Natur – und sie kann nicht nicht-sein. Allein, weil es eine Begrifflichkeit von ihr gibt, ein Verständnis von ihr, auch wenn das für jeden von uns eine andere Bedeutung hat. Der Roman lebt davon, daß er dafür eine sehr bildhafte Sprache hat und davon, daß sich sowohl Sätze als auch Situationen der Protagonisten zum Teil wiederholen, nur in veränderten Positionen. Dies ist auch ein Stilmittel um zu zeigen, daß jeder Mensch Ähnliches in seinem Leben durchläuft, auch wenn man sich innerlich immer nur selbst fühlt. Es ist lediglich der Umgang und die Sichtweisen mit Erlebtem, die sich unterscheiden. Und auch diese verändern sich mit jeder Erfahrung.
Wie ist die Idee zu deinem Buch entstanden, und was hat dich beim Schreiben besonders inspiriert?
Eigentlich wollte ich eine schöne Julia-und-Julia-Geschichte schreiben, die gut ausgeht. Eine beschriebene universelle Liebe, in der sich viele Menschen in ihren Sehnsüchten wiederfinden. Eine mit einer unglaublichen Chemie und allem, was dazu gehört. Dann wurden die Charaktere sehr schnell eigenständig und haben ihr eigenes Buch daraus gemacht, und ich habe meistens nur noch gestaunt und aufgeschrieben, was hoch kam. Eine der Julias starb, und aus meiner Chemie wurde Physik, und somit bekam alles eine völlig neue Resonanz. Meine Menschen fühlten sich plötzlich ganz lebendig für mich an und begleiteten mich selbst beim Einkaufen. Ich konnte nicht mehr unterscheiden, ob sie in meinem Kopf waren, oder ich in ihren, und das war unglaublich und unglaublich spannend zugleich. Zu beschreiben, was in ihren Handlungen im Davor und im Dazwischen passiert, ohne es zu formulieren – das hat mich am meisten gereizt.
Was sollen die Leserinnen und Leser nach der letzten Seite aus deinem Buch mitnehmen?
Ich würde mich freuen, wenn meine Worte und mein Stil berühren konnten und das Buch nachschwingt. Wenn sich das Lesen wie ein Danebenstehen und ein Miterleben in Echtzeit anfühlte, dann würde mich das sehr glücklich machen. Wenn sie lächeln konnten über den ein oder anderen Wortwitz und wenn sie sich stellenweise auch geärgert haben und auch traurig waren. Ich habe bewusst auch mit Brüchen zwischen den Kapiteln gearbeitet, ebenso wie mit täglich-grüßenden-Murmeltiereffekten. Und wenn das bemerkt würde, dann funktionierte mein Aufbau, und das würde mich sehr freuen. Aber am Schönsten wäre wohl ein Schade-daß-es-zu-Ende-ist.
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