Immer mehr KI-Romane auf Amazon: Verdrängt die Masse menschliche Autoren?
Eine neue Studie zeigt: KI-generierte Romane verkaufen sich im Durchschnitt zwar schwächer, erscheinen aber in großer Zahl und gewinnen Marktanteile.
Generative KI kann heute innerhalb kurzer Zeit umfangreiche Geschichten produzieren. Dadurch erscheinen auf Selfpublishing-Plattformen immer mehr Romane, deren Texte vollständig oder teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden sind. Eine neue Studie untersucht nun, welche Folgen diese Entwicklung für den Buchmarkt und für menschliche Autorinnen und Autoren haben könnte.
Die Forschenden analysierten 14.419 selbstveröffentlichte englischsprachige Genre-Romane, die zwischen 2023 und 2026 auf Amazon angeboten wurden. Mithilfe einer automatisierten Erkennung wurde geprüft, wie hoch der mutmaßliche Anteil KI-generierter Texte war. Anschließend wurden diese Ergebnisse mit täglichen Verkaufsdaten bis Juni 2026 verglichen. Keines der untersuchten Bücher enthielt nach Angaben der Studie einen Hinweis auf die Verwendung von KI.
KI-Bücher verkaufen sich – trotz schwächerer Durchschnittswerte
Bücher, bei denen mehr als ein Viertel des Textes als mutmaßlich KI-generiert eingestuft wurde, erzielten im Durchschnitt geringere Verkäufe als Titel ohne festgestellten KI-Anteil. Dennoch erreichten auch sie ein beachtliches kommerzielles Volumen.
Ihr Anteil an den Verkäufen nahm im Untersuchungszeitraum zu. Zugleich besetzten sie immer häufiger gute Positionen in den Amazon-Ranglisten – Plätze, die zuvor stärker von Büchern ohne erkannten KI-Textanteil eingenommen wurden. Die Studie widerspricht damit der Annahme, KI-generierte Bücher würden wegen mangelnder Qualität grundsätzlich vom Publikum ignoriert.
Mehr Bücher, aber nicht entsprechend mehr Umsatz
Besonders auffällig ist das Verhältnis zwischen Angebot und Einnahmen. Nach den Ergebnissen der Studie stieg die Zahl der Bücher mit nachweisbaren Verkäufen innerhalb des untersuchten Zeitraums auf das 19,2-Fache. Der vierteljährliche Umsatz wuchs dagegen lediglich auf das 8,9-Fache.
Der Markt nahm also wesentlich schneller neue verkaufte Titel auf, als zusätzliche Einnahmen entstanden. Dadurch sank in den meisten untersuchten Genres der durchschnittliche Umsatz pro verkauftem Buch. Besonders stark verloren Bücher ohne erkannten KI-Anteil dort an Boden, wo KI-Titel bereits weit verbreitet waren und viele Bücher über Kindle Unlimited angeboten wurden.
Für menschliche Autorinnen und Autoren bedeutet das nicht unbedingt, dass ihr einzelnes Buch schlechter geworden ist. Es konkurriert jedoch mit einer ständig wachsenden Zahl neuer Veröffentlichungen um Sichtbarkeit, Ranglistenplätze und die begrenzte Aufmerksamkeit der Leser.
Wird Masse wichtiger als Qualität?
KI senkt die Kosten und den Zeitaufwand der Buchproduktion erheblich. Ein einzelner Anbieter kann dadurch in kurzer Zeit zahlreiche Titel veröffentlichen, verschiedene Genres testen und erfolgreiche Muster schnell wiederholen.
Das schafft einerseits neue Möglichkeiten. Auch Menschen ohne großes Budget können Geschichten entwickeln und veröffentlichen. Andererseits droht ein Markt, in dem die Menge der Neuerscheinungen so stark wächst, dass sorgfältig geschriebene Bücher immer schwerer gefunden werden.
Die Studie kommt nicht zu dem Ergebnis, dass KI-Romane grundsätzlich erfolgreicher oder besser seien. Ihre Wirkung entsteht vielmehr durch ihre große Zahl. Selbst wenn jeder einzelne Titel nur wenige Verkäufe erzielt, können viele Bücher gemeinsam einen erheblichen Marktanteil erreichen.
Die Grenzen der Untersuchung
Die Ergebnisse sollten mit Vorsicht betrachtet werden. Die Studie wurde als wissenschaftlicher Vorabdruck veröffentlicht und hat damit noch nicht zwingend ein vollständiges Begutachtungsverfahren durchlaufen. Außerdem sind automatische Systeme zur Erkennung KI-generierter Texte nicht fehlerfrei.
Ein festgestellter KI-Anteil beweist deshalb nicht zweifelsfrei, wie ein Buch entstanden ist. Ebenso kann stark überarbeiteter KI-Text unerkannt bleiben. Die Untersuchung liefert somit keine vollständige Bestandsaufnahme aller KI-Bücher auf Amazon, sondern Hinweise auf eine deutliche Marktentwicklung.
Was menschliche Autoren jetzt brauchen
Für Autorinnen, Autoren und Verlage wird eine klare Positionierung wichtiger. Ein unverwechselbarer Stil, sorgfältiges Lektorat, glaubwürdige Autorenprofile und eine direkte Beziehung zur Leserschaft können Merkmale sein, die sich nicht beliebig vervielfältigen lassen.
Auch Plattformen stehen vor einer Aufgabe. Leser müssen erkennen können, wie Bücher entstanden sind und welche Qualität sie erwarten dürfen. Denkbar wären deutlichere Kennzeichnungen, strengere Qualitätskontrollen oder bessere Möglichkeiten, zwischen vollständig KI-generierten, KI-unterstützten und überwiegend menschlich geschriebenen Werken zu unterscheiden.
KI verdrängt menschliche Autoren bislang nicht vollständig. Sie verändert jedoch die Bedingungen, unter denen deren Bücher sichtbar werden und Einnahmen erzielen. Die entscheidende Gefahr liegt möglicherweise weniger im einzelnen KI-Roman als in der nahezu unbegrenzten Menge, mit der solche Titel auf den Markt gebracht werden können.
Quellen
arXiv (wissenschaftlicher Vorabdruck)