Rezension: Blutwinter – Jan-Erik Fjell

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Anton Brekke stößt auf einen alten Mordfall, bei dem die Justiz möglicherweise den Falschen verurteilt hat. Rezension von Lutz Falkner zu Blutwinter von Jan-Erik Fjell.

Blutwinter Cover

Blutwinter von Jan-Erik Fjell

Blutwinter von Jan-Erik Fjell
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Lesen, wenn du …

  • düstere Skandinavien-Thriller mit komplexen Ermittlungen magst,
  • Figuren wie Harry Hole aus den Romanen von Jo Nesbø schätzt,
  • gern Geschichten liest, in denen ein alter Fall die Gegenwart einholt,
  • und kein Problem mit mehreren Zeitebenen und moralisch schwierigen Figuren hast.

„Blutwinter“ ist besonders dann stark, wenn Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen und aus einem vermeintlich abgeschlossenen Mordfall die Frage entsteht, ob die Justiz damals den Falschen verurteilt hat.

Anton Brekke stößt auf einen viele Jahre zurückliegenden Mordfall, bei dem Oscar Fiva wegen des Verschwindens seines Freundes Henrik Zahl zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde. Je intensiver Brekke die alten Ermittlungsakten studiert, desto stärker zweifelt er daran, dass das damalige Urteil tatsächlich gerechtfertigt war.

Jan-Erik Fjell erzählt auf zwei Zeitebenen. Die Gegenwart zeigt Brekkes Ermittlungen, während Rückblicke in die Jahre 2003 und 2004 nach und nach offenlegen, in welchem Milieu sich Oscar und Henrik bewegten. Kriminalität, Drogen, Geld und persönliche Abhängigkeiten ergeben dabei ein zunehmend kompliziertes Geflecht.

Besonders interessant bleibt Anton Brekke selbst. Er ist kein makelloser Ermittler, sondern trägt Schuldgefühle mit sich herum, trinkt zu viel und besitzt eine problematische Vergangenheit mit Glücksspiel. Gleichzeitig ist er hartnäckig und bereit, auch dort weiterzufragen, wo andere einen Fall längst abgeschlossen haben. Gerade diese Widersprüche machen ihn glaubwürdig.

Der Roman nimmt sich zunächst Zeit für Figuren und Zusammenhänge, entwickelt danach aber einen deutlichen Sog. Die häufigen Perspektiv- und Zeitwechsel verlangen etwas Aufmerksamkeit, sorgen zugleich dafür, dass neue Erkenntnisse immer wieder die bisherige Sicht auf den Fall verändern.

„Blutwinter“ lohnt sich vor allem für Leser:innen, die bei einem Thriller nicht nur schnelle Action, sondern eine verzweigte Ermittlungsarbeit und einen ambivalenten Ermittler suchen. Ein atmosphärisch kalter Nordic-Noir-Thriller, dessen Spannung vor allem aus der Frage entsteht, was damals wirklich geschehen ist.

Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die redaktionelle Bewertung erfolgt unabhängig.

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