Adele (Weiße Reihe 1) – Johannes Wierz

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Erwin und Adele leben einsam aneinander vorbei – bis ein spontaner Anruf alles ins Wanken bringt. Ein melancholisch-humorvoller Roman über verpasste Chancen und eine zweite Chance, die zwei bürokratische Mächte als „Versuchsreihe“ steuern.

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Adele von Johannes Wierz (edition lyrik-bilder)
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Der folgende Beitrag basiert auf vom Verlag bereitgestellten Informationen und Veröffentlichungstexten.

  • Verlag: edition lyrik-bilder
  • Reihe: Weiße Reihe

Auf der Erde drehen sich zwei einsame Leben im Gleichschritt aneinander vorbei: Erwin, fast Fünfzig, schneidet mit dem Rasenmäher Hasensilhouetten ins Grün, zählt Fotos am Kühlschrank und trauert dem längst vergessenen Glück nicht einmal mehr hinterher. Adele, fünfundfünfzig, führt ihren Laden mit eiserner Selbstbeherrschung, zieht alleine ihren Sohn groß und glaubt fest daran, dass Hoffnung nur etwas für Versager ist.

Doch als sie aus einem plötzlichen Impuls heraus eine alte Nummer wählt, gerät die gewohnte Distanz ins Wanken. Was weder Erwin noch Adele ahnen: Ihre verpassten Anrufe, die verflüchtigten Träume und das Gefühl ungreifbarer Nähe sind längst kein Zufall. Im Hintergrund führen zwei bürokratische Mächte Regie über eine fehleranfällige »Versuchsreihe« – und die beiden Menschen sind erst in Phase 1 ihres eigenen Lebensanspruchs.

Ein melancholisch-humorvoller Roman über verpasste Chancen, die unbewusste Suche nach dem Gegenüber und die Frage, ob man dem Schicksal eine zweite Chance verdankt – oder bloß dem Eigensinn zweier sturköpfiger Versuchsleiter.

Nachgefragt bei Johannes Wierz

Was ist der zentrale Kern deines Buches – und worum geht es dir dabei besonders?
Im Kern geht es um zwei Menschen, die sich im Leben irgendwie verloren haben, ohne vielleicht jemals wirklich aufgehört zu haben, einander zu suchen. Erwin und Adele sind keine klassischen Romanhelden, die voller Tatendrang auf ihr Glück zustürmen. Eher zwei Menschen, die sich mit dem Leben arrangiert haben, obwohl sie tief im Inneren längst etwas vermissen.

Mich hat der Gedanke beschäftigt, wie viele Möglichkeiten wir im Leben verpassen, weil wir zu stolz, zu ängstlich oder einfach zu müde sind, noch einmal an das Glück zu glauben. Und ob manche Begegnungen tatsächlich Zufall sind oder ob das Leben manchmal auf ziemlich verschlungenen Wegen versucht, uns eine zweite Chance zu geben.

Dabei wollte ich keine gewöhnliche Liebesgeschichte erzählen. Mich reizte vielmehr die Mischung aus Melancholie, trockenem Humor und einer etwas absurden Ebene, auf der zwei übergeordnete Beobachter versuchen, das Leben dieser Menschen bürokratisch zu steuern. Denn vielleicht ist gerade das ein schöner Gedanke: Selbst wenn irgendwo ein großer Plan existiert, sind es am Ende immer noch wir Menschen, die ihn gehörig durcheinanderbringen können.

Es ist eine Geschichte über das Vergessen und Wiederfinden, über verpasste Chancen und die leise Hoffnung, dass es für einen Neuanfang vielleicht doch nie zu spät ist.

Wie ist die Idee zu deinem Buch entstanden, und was hat dich beim Schreiben besonders inspiriert?
Die Idee entstand aus einem Gedanken, der mich schon länger beschäftigt hat: Wie viele Menschen laufen durchs Leben, ohne zu ahnen, wie nah sie vielleicht einmal ihrem Glück waren? Wie viele Begegnungen finden nicht statt, weil ein Anruf unterbleibt, ein falsches Wort fällt oder der richtige Moment einfach verpasst wird?

Mich faszinierte die Vorstellung, dass zwei Menschen einander vielleicht näher sind, als sie selbst glauben, während das Leben sie scheinbar unbeirrt in entgegengesetzte Richtungen schickt.

Beim Schreiben haben mich vor allem die kleinen Absurditäten des Alltags inspiriert, die Melancholie gewöhnlicher Lebensläufe und die Eigenheiten von Menschen, die sich mit ihrem Unglück beinahe schon häuslich eingerichtet haben. Erwin und Adele sollten keine perfekten Romanfiguren sein, sondern Menschen mit Ecken, Widersprüchen und einer gehörigen Portion Sturheit.

Eine besondere Freude war für mich die Idee, das Ganze um eine zweite, etwas skurrile Ebene zu erweitern: zwei übergeordnete Beobachter, die glauben, das Schicksal verwalten und menschliche Gefühle in geordnete Versuchsreihen pressen zu können. Daraus entstand die Möglichkeit, auch ernste Fragen mit einem Augenzwinkern zu betrachten.

Vielleicht war es letztlich die Neugier auf eine Frage, die mich durch das ganze Buch begleitet hat: Was wäre, wenn das Leben uns tatsächlich eine zweite Chance gibt – wir sie aber zunächst gar nicht als solche erkennen?

Was sollen die Leserinnen und Leser nach der letzten Seite aus deinem Buch mitnehmen?
Ich würde mir wünschen, dass die Leser das Buch mit einem leisen Lächeln schließen – vielleicht aber auch mit einem Gedanken, der noch eine Weile bleibt.

Vielleicht schauen sie danach ein wenig anders auf die Menschen in ihrem Umfeld und auf die vielen kleinen Zufälle, die das Leben manchmal bereithält. Auf den Anruf, den man schon lange tätigen wollte, die Begegnung, die man beinahe verpasst hätte, oder die Möglichkeit, noch einmal etwas zu wagen, obwohl man sich längst eingeredet hat, dass es dafür zu spät sei.

Erwin und Adele sollen zeigen, dass man sich durchaus im Leben verlieren kann, ohne sich selbst endgültig verloren zu haben. Dass Hoffnung manchmal ziemlich hartnäckig ist und sich ausgerechnet dann zurückmeldet, wenn man ihr längst Hausverbot erteilt hat.

Und vielleicht nehmen die Leser auch die Erkenntnis mit, dass das Schicksal zwar seine eigenen Pläne haben mag, wir Menschen aber glücklicherweise nicht immer so funktionieren, wie es vorgesehen ist.

Wenn nach der letzten Seite jemand zum Telefon greift, einen alten Gedanken wieder aufnimmt oder einfach ein bisschen freundlicher auf die eigenen verpassten Chancen schaut, dann hätte das Buch für mich schon etwas erreicht.

Denn vielleicht ist es nie zu spät für eine zweite Versuchsreihe. Auch wenn die Versuchsleiter gelegentlich etwas überfordert wirken.

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