Sein und Schein

0

Fotograf Dimitri trifft in einer psychiatrischen Einrichtung auf vermeintliche Zeitreisende. Sind sie tatsächlich „verrückt“, oder nur unverstanden? Und hat eine KI den Untergang der modernen Zivilisation vorhergesagt?

Sein und Schein Cover

Fotograf Dimitri trifft in einer psychiatrischen Einrichtung auf vermeintliche Zeitreisende. Sind sie tatsächlich „verrückt“, oder nur unverstanden? Und hat eine KI tatsächlich den Untergang der modernen Zivilisation vorhergesagt?

Leseprobe

Auszug Kapitel 36

Er bietet mir seine Pfeife an, aber ich lehne dankend ab, obwohl sie verführerisch duftet.
»Sie ist von meinem Urgroßvater«, erzählt er. »Ich habe sie ihm stibitzt.«
Ich muss wohl nicht fragen, wann und auf welche Weise er das getan hat.
»Kannst du dir eigentlich aussuchen, wann und wohin du reist?«, frage ich, und versuche auszublenden, wie schwachsinnig das klingt.
Felix mustert mich skeptisch. »Wird das eine längere Befragung?«
Nervös trete ich von einem Fuß auf den anderen. »Ich würde einfach gern ein paar Sachen erfahren.«
Er blickt auf seine Taschenuhr, die an einer goldenen Kette in seiner Innentasche baumelt. »Ich fürchte, die Zeit wird knapp.«
Daraufhin muss ich grinsen.
»Ich dachte, das spielt für dich keine Rolle«, bemerke ich. »Du könntest ja anschließend einfach ein paar Minuten in die Vergangenheit reisen und gewinnst die verlorene Zeit zurück.«

Ein paar Momente lang pafft er schweigend und bläst Rauchwolken in die Luft.
»Meinst du, du stehst dann nicht wieder hier?«, kontert er schließlich. »Wenn ich zurückreisen würde?«
Ich gebe zu, überfragt zu sein. »Ich habe leider keine Ahnung von den Gesetzmäßigkeiten bei Zeitreisen.«
»Vielleicht gibt es ja gar keine«, meint Felix. »Vielleicht ist Zeit an sich auch eine Illusion.«

Du sprichst hier mit einem Verrückten, der gerade in einem Altpapiercontainer aus einer psychiatrischen Klinik geflohen ist, versuche ich mir in Erinnerung zu rufen.

Nachgefragt bei Joan Fidelis

Was ist der zentrale Kern deines Buches – und worum geht es dir dabei besonders?
Kurz gesagt geht es um nichts Geringeres als die Frage nach dem Sinn des Lebens, vor dem Hintergrund einer möglichen dystopischen Zukunft. Auch unsere Wahrnehmung der Realität wird in Frage gestellt, genau wie vermeintliche Selbstverständlichkeiten unseres hochtechnisierten, digitalen Zeitalters, und das Thema Zeit an sich.

Wie ist die Idee zu deinem Buch entstanden, und was hat dich beim Schreiben besonders inspiriert?
Ich mache mir viele Gedanken um unsere Gegenwart, um die heutigen gesellschaftlichen Werte und Standards, und versuche eine andere Perspektive darauf zu finden. In diesem Buch kommen Zeitreisende vor, die unsere Welt noch nicht kennen, oder nicht mehr. Sowie Menschen, die nach heutigem Maßstab ein Fall für die Psychiatrie sind. Die Begegnung mit ihnen, völlig unabhängig davon, ob alles am Ende nur Schein ist, löst im Hauptprotagonisten einen Denkprozess aus; ihre zum Teil naive Sicht kollidiert mit seinen internalisierten, rationalen Überzeugungen (stellvertretend für unsere Gesellschaft).

Was sollen die Leserinnen und Leser nach der letzten Seite aus deinem Buch mitnehmen?
Im besten Fall regt das Buch zum naiven bis kritischen Hinterfragen an, und lässt den Leser/ die Leserin mit einem nachdenklichen, melancholischen Seufzen zurück. 🙂

Mehr zum Buch

Werbung – Affiliate-Link

Rezension zu diesem Buch einreichen

Teilen: W f 𝕏 P
📬 Verpasse keine neue Buchvorstellung. Newsletter abonnieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert