Zwischen zwei Seelen – Morgaine Alison

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Kaelan ist einer, mit dem man sich gern umgibt – bis man ihn nicht mehr erträgt. Er lebt unter Menschen, obwohl er selbst ein Dämon ist. Seine Aufgabe: ihnen die Schatten zu spiegeln, die sie lieber verdrängen würden.

Zwischen zwei Seelen Cover

Kaelan ist einer, mit dem man sich gern umgibt – bis man ihn nicht mehr erträgt.

Er lebt unter Menschen, obwohl er selbst ein Dämon ist. Seine Aufgabe: ihnen die Schatten zu spiegeln, die sie lieber verdrängen würden.

Menschen kommen. Menschen gehen. Sie laufen davon, weil sie nicht bleiben können – oder nicht bleiben wollen. Kaelan bleibt zurück, mit dem Wissen, dass seine Nähe in anderen etwas berührt, das sie nicht benennen können. Etwas, das sie lieber verdrängen.

Dann trifft er auf Elias. Und mit ihm auf eine Familie, die nicht urteilt. Die Platz macht – am Tisch, im Gespräch, im Leben. Für Kaelan ist das neu. Und beängstigend. Denn Zugehörigkeit fühlt sich nicht natürlich an, wenn man gelernt hat, immer nur Gast zu sein.

Während in ihm etwas erwacht, das er nicht kontrollieren kann, wächst eine Frage: Ist er dazu bestimmt, Abstand zu halten – oder ist genau diese Verbindung der Anfang von etwas, das sich nicht mehr aufhalten lässt?

Zwischen zwei Seelen ist charaktergetriebene Gegenwartsfantasy über Kaelans Entwicklung zwischen zwei Welten. Im Mittelpunkt stehen seine ungewöhnliche Aufgabe, seine Beziehungen zu den Menschen um ihn herum und die Frage, was geschieht, wenn jemand, der sein Leben lang nur eine Funktion erfüllen sollte, beginnt, einen eigenen Platz für sich zu suchen.

Nachgefragt bei Morgaine Alison

Was ist der zentrale Kern deines Buches – und worum geht es dir dabei besonders?
Im Kern geht es in Zwischen zwei Seelen für mich um Zugehörigkeit, Projektion und Eigenverantwortung. Kaelan begegnet Menschen als Spiegel ihrer verdrängten Seiten. Sie sehen in ihm oft Dinge, die eigentlich aus ihnen selbst kommen – Ängste, Unsicherheiten, Ablehnung oder Wut. Gleichzeitig steht er zwischen zwei Welten und muss irgendwann herausfinden, wer er selbst eigentlich ist, wenn er nicht mehr nur durch die Erwartungen und Reaktionen anderer auf sich blickt. Besonders wichtig war mir dabei aber, das Thema Spiegelung nicht als bequeme Erklärung für alles zu benutzen. Nur weil jemand auf uns projiziert, bedeutet das nicht automatisch, dass unser eigenes Verhalten keine Rolle mehr spielt. Auch Kaelan muss sich immer wieder fragen: Wie habe ich reagiert? Was habe ich gesagt oder getan? Habe ich vielleicht selbst etwas verschärft oder provoziert? Wo liegt die Verantwortung des anderen – und wo beginnt meine eigene? Gerade diese Unterscheidung ist mir sehr wichtig. Selbstreflexion bedeutet für mich nicht, jede Handlung eines anderen als bloßen „Spiegel“ abzutun und damit die eigene Verantwortung abzugeben. Jeder bleibt verantwortlich für das, was er tut – auch derjenige, auf den projiziert wird. Einen klassischen Antagonisten gibt es in Zwischen zwei Seelen nicht. Niemand handelt einfach, weil er „böse“ ist. Die eigentlichen Konflikte entstehen aus Prägungen, Verletzungen, Ängsten und Entscheidungen – und daraus, wie Menschen miteinander umgehen, wenn genau diese Dinge aufeinandertreffen.

Wie ist die Idee zu deinem Buch entstanden, und was hat dich beim Schreiben besonders inspiriert?
Bei mir beginnt eine Geschichte meistens mit einer Figur – und bei Zwischen zwei Seelen war das Kaelan. Er entstand nicht aus einer geplanten Handlung, sondern aus einer sehr persönlichen inneren Begegnung. Ich hatte zunächst eher das Gefühl, eine Figur kennenzulernen, die bereits ihre eigene Geschichte, ihre Verletzungen und ihre Sicht auf die Welt mitbrachte. Je länger ich mich mit ihm beschäftigt habe, desto mehr zeigte sich davon – und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich seine Geschichte erzählen durfte, statt sie einfach zu erfinden. Beim Schreiben wurde dann immer deutlicher, dass seine größte Herausforderung nicht darin liegt, andere Menschen zu „lesen“, sondern sich selbst. Kaelan ist es gewohnt, die Schatten anderer zu sehen und ihre Reaktionen einzuordnen. Schwieriger wird es für ihn in dem Moment, in dem Begegnungen nicht mehr in seine bekannten Muster passen und er sich fragen muss, wer er eigentlich jenseits seiner Aufgabe ist. Besonders wichtig wurde dabei die Frage, was passieren kann, wenn jemand nicht nur in einer bestimmten Funktion gesehen wird, sondern als Ganzes – und wenn er einen Ort findet, an dem er nicht wieder verschwinden muss, sobald er seine Aufgabe erfüllt hat. Daraus sind die Themen Zugehörigkeit, Vertrauen und Zuhause ganz organisch gewachsen. Wie bei meinen anderen Geschichten habe ich diese Themen nicht bewusst vorher verteilt. Sie haben sich beim Schreiben gezeigt. Meine Figuren entwickeln sehr schnell ihren eigenen Kopf, und ich merke oft erst später, welche Fragen sie eigentlich mitgebracht haben.

Was sollen die Leserinnen und Leser nach der letzten Seite aus deinem Buch mitnehmen?
Ich wünsche mir, dass nach der letzten Seite vor allem das Gefühl bleibt, dass man nicht erst etwas leisten, erfüllen oder für andere sein muss, um einen Platz haben zu dürfen. Dass Zugehörigkeit nicht davon abhängen sollte, wie gut man eine bestimmte Rolle erfüllt – und dass es einen großen Unterschied macht, ob jemand nur das in uns sieht, was er gerade braucht, oder uns tatsächlich als ganzen Menschen wahrnimmt. Vielleicht bleibt auch der Gedanke, dass man sich selbst neu kennenlernen darf, selbst wenn man sehr lange geglaubt hat zu wissen, wer man ist und wofür man da ist. Dass Zweifel und Rückschritte dabei nicht bedeuten, dass man gescheitert ist. Und dass Selbstreflexion nicht nur bedeutet, die Reaktionen anderer zu hinterfragen, sondern auch das eigene Verhalten. Manchmal verändert sich der Blick darauf, was wirklich zu einem gehört, was man übernommen hat – und wo man selbst Verantwortung trägt. Und ich würde mich freuen, wenn etwas von Kaelans Weg hängen bleibt: dass ein sicherer Ort nicht unbedingt der ist, an dem niemals etwas Schwieriges passiert, sondern der, an dem man nicht verschwinden muss, sobald man verletzlich, unsicher oder unbequem wird. Aber wie bei meinen anderen Geschichten möchte ich meinen Leserinnen und Lesern keine fertige Botschaft mitgeben. Wenn sie nach der letzten Seite etwas Eigenes darin gefunden haben – einen Gedanken, ein Gefühl oder vielleicht einen Teil von sich selbst –, dann ist das für mich genug.

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