Rezension: Müttertage – Wladimir Kaminer
Humorvoll, warmherzig und nachdenklicher, als es zunächst scheint – Rezension von Matthias Branscheidt zu Müttertage von Wladimir Kaminer.
Muettertage von Wladimir Kaminer
In „Müttertage – Geschichten von den Heldinnen des Alltags“ erzählt Wladimir Kaminer vor allem von seiner inzwischen 94-jährigen Mutter – und von den kleinen und großen Herausforderungen des Älterwerdens. Dabei geht es um nachlassendes Gedächtnis, Pflege, digitale Technik und den zunehmend kleiner werdenden Alltag, aber ebenso um Familie, Nachbarschaft und die Veränderungen unserer Gesellschaft.
Kaminer gelingt dabei ein bemerkenswerter Balanceakt. Viele Situationen sind ausgesprochen komisch, ohne dass seine Mutter oder andere ältere Menschen der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Hinter dem Humor ist stets eine große Zuneigung zu spüren. Gerade wenn die Erinnerung seiner Mutter nachlässt oder alltägliche Dinge plötzlich schwieriger werden, bekommen die Geschichten eine leise Melancholie.
Gleichzeitig schweift Kaminer immer wieder weit über das eigentliche Familienthema hinaus. Krieg, Migration, künstliche Intelligenz, soziale Medien oder das Leben in Berlin finden ebenso ihren Platz wie ukrainische Pflegekräfte, Nachbarn und Begegnungen unterwegs. Dadurch entsteht weniger eine zusammenhängende Handlung als vielmehr eine Sammlung pointierter Alltagsbeobachtungen.
„Müttertage“ ist humorvoll, warmherzig und stellenweise nachdenklicher, als es zunächst scheint. Ein Buch über das Älterwerden und über Familie – vor allem aber darüber, wie viel Komik und Lebensfreude selbst in schwierigen Veränderungen stecken können.
Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die redaktionelle Bewertung erfolgt unabhängig.
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