Sinkende Auflagen, hohe Kosten: Warum deutsche Buchdruckereien schließen
Mit Westermann Druck Zwickau und Vogel Druck stehen zwei traditionsreiche Druckstandorte vor dem Aus – sinkende Auflagen, hohe Kosten und internationale Konkurrenz setzen die Branche unter Druck.
Mit Westermann Druck Zwickau und Vogel Druck stehen zwei traditionsreiche Druckstandorte vor dem Aus. Sinkende Auflagen, hohe Energie- und Personalkosten sowie internationale Konkurrenz setzen die Branche unter Druck. Was bedeutet das für Verlage und die Zukunft der Buchproduktion?
Die deutsche Druckindustrie steht seit Jahren unter wirtschaftlichem Druck. Nun machen zwei angekündigte Standortschließungen sichtbar, wie tiefgreifend der Wandel inzwischen ist: Westermann Druck will seine Produktion in Zwickau Ende August 2026 einstellen. Auch die Druckerei Vogel Druck in Höchberg bei Würzburg soll spätestens Ende 2027 geschlossen werden.
Betroffen sind zusammen rund 450 Beschäftigte. Hinter den Entscheidungen stehen jedoch nicht nur Schwierigkeiten einzelner Betriebe. Sie verweisen auf eine Branche, in der sinkende Auflagen, hohe Betriebskosten und Überkapazitäten zunehmend aufeinandertreffen.
Weniger Aufträge bei hohen Fixkosten
Westermann Druck Zwickau ist auf hochwertige Bücher und Broschüren spezialisiert. Dazu gehören unter anderem Schul- und Fachbücher, Reiseführer, Ratgeber sowie Kinder- und Jugendbücher im Vierfarbdruck. Nach Angaben des Unternehmens führten schwierige Marktbedingungen zu starken Auftragsrückgängen.
Zugleich seien die Personal- und Energiekosten in Deutschland so hoch, dass der Standort trotz Investitionen in moderne Maschinen gegenüber Anbietern aus osteuropäischen Ländern nicht mehr konkurrenzfähig gewesen sei. Das Unternehmen verweist außerdem auf Überkapazitäten bei insgesamt sinkender Nachfrage. Rund 170 Arbeitsplätze sind betroffen.
Bei Vogel Druck liegt der Schwerpunkt stärker auf Zeitschriften und Katalogen. Dort soll die Nachfrage in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sein. Der Betrieb mit etwa 280 Beschäftigten schrieb nach Angaben der Muttergesellschaft bereits längere Zeit Verluste. Eine Verbesserung der Marktsituation werde nicht erwartet.
Moderne Maschinen lösen das Grundproblem nicht
Druckereien investieren regelmäßig in schnellere Maschinen, automatisierte Abläufe und energiesparende Technik. Dadurch lassen sich Produktionszeiten und Personaleinsatz reduzieren. Solche Investitionen helfen jedoch nur, wenn die Anlagen ausreichend ausgelastet werden.
Gerade darin liegt ein zentrales Problem: Moderne Druckmaschinen können in kurzer Zeit große Mengen herstellen, während die benötigten Auflagen in vielen Bereichen kleiner werden. Bleiben Aufträge aus, verteilen sich hohe Fixkosten für Maschinen, Gebäude, Energie und Personal auf weniger produzierte Exemplare.
Die wirtschaftliche Lage der gesamten Druck- und Medienindustrie bleibt angespannt. Der Geschäftsklimaindex der Branche trübte sich im Frühjahr 2026 erneut ein.
Warum Auflagen kleiner werden
Die Entwicklung hat mehrere Ursachen. Zeitschriften, Kataloge und Informationsmaterialien werden immer häufiger digital genutzt. Auch Verlage kalkulieren vorsichtiger und bestellen kleinere Erstauflagen, um Lagerkosten und spätere Remissionen zu vermeiden.
Im Buchmarkt kommen weitere Faktoren hinzu. Viele Titel verkaufen sich nur über einen begrenzten Zeitraum, während gleichzeitig die Zahl der Neuerscheinungen hoch bleibt. Kleinere Auflagen lassen sich zwar flexibler planen, sind pro Exemplar aber meist teurer als große Produktionsmengen.
Digitale Druckverfahren können bei kleinen Stückzahlen eine Alternative sein. Sie eignen sich jedoch nicht für jedes Format und erreichen bei umfangreichen oder hochwertig ausgestatteten Büchern nicht immer die gleichen wirtschaftlichen Bedingungen wie der klassische Offsetdruck.
Produktion wandert ins Ausland
Deutsche Druckereien konkurrieren mit Betrieben in Ländern, in denen Löhne, Energie oder andere Produktionskosten niedriger sind. Besonders bei planbaren Großaufträgen kann eine Verlagerung wirtschaftlich attraktiv erscheinen.
Für Verlage ist der Preis allerdings nicht das einzige Kriterium. Kürzere Transportwege, schnelle Abstimmung, flexible Nachdrucke und verlässliche Liefertermine sprechen weiterhin für eine Produktion in Deutschland. Bei aufwendig ausgestatteten Büchern spielt zudem die enge Zusammenarbeit zwischen Verlag, Herstellung und Druckerei eine wichtige Rolle.
Schließen jedoch weitere Betriebe, wird die Auswahl kleiner. Das kann Abhängigkeiten erhöhen und dazu führen, dass bestimmte Produktionen häufiger ins Ausland vergeben werden müssen.
Was bedeutet das für den Buchmarkt?
Kurzfristig ist nicht zu erwarten, dass Bücher wegen einzelner Standortschließungen plötzlich nicht mehr produziert werden können. In Deutschland und im europäischen Ausland bestehen weiterhin erhebliche Druckkapazitäten.
Langfristig könnte die Konzentration jedoch Folgen haben. Weniger Anbieter bedeuten weniger Wettbewerb und möglicherweise längere Vorlaufzeiten in stark ausgelasteten Produktionsphasen. Besonders kleinere Verlage könnten Schwierigkeiten bekommen, für geringe Auflagen wirtschaftlich passende Angebote zu finden.
Auch Spezialproduktionen könnten betroffen sein. Kinderbücher, Bildbände, Lehrwerke oder medizinische Fachbücher stellen höhere Anforderungen an Farbe, Papier, Bindung und Weiterverarbeitung als ein einfacher Schwarz-Weiß-Taschenbuchdruck.
Das gedruckte Buch bleibt – seine Herstellung verändert sich
Die Schließungen bedeuten nicht, dass das gedruckte Buch vor dem Ende steht. Trotz digitaler Angebote bleibt Print für viele Leserinnen und Leser das bevorzugte Format. Doch die Art seiner Herstellung verändert sich.
Verlage werden Auflagen noch genauer kalkulieren, Nachdrucke kurzfristiger planen und unterschiedliche Druckverfahren miteinander kombinieren müssen. Druckereien wiederum benötigen eine hohe Auslastung, flexible Technik und Aufträge auch außerhalb des klassischen Buchmarktes.
Die aktuellen Fälle zeigen, dass selbst traditionsreiche und technisch modernisierte Betriebe nicht geschützt sind, wenn Nachfrage und Produktionskosten dauerhaft auseinanderlaufen. Die entscheidende Frage lautet daher weniger, ob weiterhin Bücher gedruckt werden – sondern wo, in welchen Mengen und zu welchen Kosten.
Quellen
- Westermann Gruppe: „Westermann Druck Zwickau schließt“, Juli 2026
- Börsenblatt: „Westermann schließt Druckerei in Zwickau“, 30. Juli 2026
- dpa/WELT: „Westermann schließt Zwickauer Druckerei – 170 Jobs weg“, 28. Juli 2026
- dpa/WELT: „Bertelsmann-Konzern schließt Vogel Druck“, 29. Juli 2026
- Bundesverband Druck und Medien: Informationen zur wirtschaftlichen Lage der deutschen Druck- und Medienindustrie, 2026