Der Seelenstrom – Pam Krueger
In Kaleas Welt ist der Tod geordnet – bis Wiedergänger auftauchen und selbst heilige Orte zerbrechen. Zwischen Kuratoren, die sie zur nächsten Advokatin machen wollen, Puristen, die den Strom zerstören wollen, und dem Fremden Lucas muss Kalea entscheiden, wie viel Wahrheit sie erträgt. Ein Dark-Fantasy-Roman von Pam Krueger über Glauben, Macht und den Mut, die Ordnung selbst infrage zu stellen.
Was, wenn die Welt nur funktioniert, weil niemand die richtige Frage stellt?
In Kaleas Welt ist der Tod geordnet. Seelenbewahrer reinigen die Toten. Der Seelenstrom nimmt sie auf. Die Advokatin wacht über das Gleichgewicht. So lautet die Wahrheit.
Doch als Wiedergänger auftauchen und selbst heilige Orte zerbrechen, beginnt ihr Glaube zu wanken. Die Kuratoren wollen sie zur nächsten Advokatin machen. Die Puristen wollen den Strom zerstören. Lucas, ein Fremder, der nicht in diese Welt passt, zeigt ihr eine dritte Möglichkeit.
Doch je näher Kalea dem Ursprung des Seelenstroms kommt, desto deutlicher wird, dass die Wahrheit weitaus erschreckender ist, als sie geahnt hat.
Denn manche Opfer werden erst vermeidbar, wenn man den Mut findet, die Ordnung selbst infrage zu stellen.
Nachgefragt bei Pam Krueger
Was ist der zentrale Kern deines Buches – und worum geht es dir dabei besonders?
Ich liebe Ambivalenz. Grautöne. Das Bewusstsein, dass es keine objektiv richtigen Antworten gibt. Selbst die einfachsten Fragen beantworten verschiedene Menschen unterschiedlich. In Der Seelenstrom gibt es Figuren, die mehr oder weniger davon überzeugt sind, dass ihre Ansichten richtig sind. Aus ihrer Perspektive mag das sogar stimmen. Aber wären sie bereit, dafür Entscheidungen zu treffen, die ihr eigenes Leben und das der anderen nachhaltig verändern? Für mich sind die Kernthemen Philosophie, Moral und der Weg zu einer der vielen möglichen Wahrheiten. Dazu kommt, dass Figuren wie Kalea und Raja nicht nur auf ein Abenteuer geschickt werden, das ihre Welt verändern wird. Sie selbst sind noch nicht an dem Punkt angekommen, an dem sie wissen, wer sie eigentlich sind. Sie suchen ihre Identität. Und während sie sich selbst erforschen, stoßen sie zwangsläufig auf die nächste Frage: Ist diese Identität nun die Bürde, die ich für immer tragen muss? Oder darf sie sich verändern?
Wie ist die Idee zu deinem Buch entstanden, und was hat dich beim Schreiben besonders inspiriert?
Vor diesem Buch habe ich viele weitere geschrieben, die ich jedoch nicht nach außen getragen habe. Viele davon beschäftigen sich ebenfalls mit Grautönen, Gesellschaften und Systemen, die Menschen zermürben. Also Bücher, die ich selbst gerne lesen möchte. Nach einigen Texten fragte Nina, ob ich nicht mal eine Liebesgeschichte schreiben könnte. Etwas Einfaches. Etwas leicht Verdauliches. Ich persönlich mag keine Romanzen, also überlegte ich, warum und was mir oft darin fehlt. Die Geschichte sollte eine Liebesgeschichte beinhalten. Und ich wollte das Maximale herausholen, ohne dass es typisch romantisch wird. Damit es mich nicht langweilt, bekam es andere Themen. Ich überlegte, wie eine Welt aussähe, wenn Seelen fester Bestandteil der Welt wären. Dann: Warum und wie? Wie wäre das System dahinter? Ich kam von einer Idee zur nächsten, hatte hunderte Zettel, mehrere unübersichtliche Mindmaps und zog mir alles heraus, das in diese Liebesgeschichte reinpassen könnte. Naja, und letztlich entstand Der Seelenstrom.
Was sollen die Leserinnen und Leser nach der letzten Seite aus deinem Buch mitnehmen?
Ich denke, das muss jeder für sich entscheiden. Durch das Schreiben der Figuren und das Erforschen ihrer Überzeugungen habe ich selbst viel über mich und die reale Welt gelernt. Alleine zu sein bedeutet nicht automatisch, einsam zu sein. Aber auch wer einsam ist, ist oft nicht alleine. Es gibt Fragen, auf die es keine richtige Antwort gibt. Das ist vollkommen okay. Entscheidungen haben Konsequenzen. Das Leben kann trotzdem wundervoll sein. Wir machen wertvolle Erfahrungen und lernen aus unseren Fehlern.
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