Stille See – Kaltes Urteil – Tarek Bamberger
Mai 1945, Flensburg-Mürwik: Im letzten Regierungssitz des Deutschen Reiches gelten noch die alten Regeln. Als zwei Soldaten rätselhaft sterben, wird der verwundete Joachim Farmer in eine Suche nach Verantwortung und Schuld gezogen. Ein atmosphärisch dichter historischer Roman mit Kriminalhandlung von Tarek Bamberger über die letzten Tage des Dritten Reiches.
Ein atmosphärisch dichter historischer Roman mit Kriminalhandlung – über die letzten Tage des Dritten Reiches und die ersten Schritte in eine neue Zeit.
Mai 1945. Flensburg. Der Krieg ist vorbei. Doch ausgerechnet in Mürwik befindet sich noch immer der letzte Regierungssitz des Deutschen Reiches. Während außerhalb Flensburgs die Zeit für das untergegangene Reich bereits abgelaufen ist, gelten innerhalb des Kriegsmarinestützpunkts Mürwik noch immer seine alten Regeln.
Der verwundete Wehrmachtsoldat Joachim Farmer hofft, den Krieg endlich hinter sich lassen zu können. Im Marine-Lazarett begegnet er der Krankenschwester Mathilda Reiser und dem Stabsarzt Dr. Johannes Kusch. Doch als zwei Soldaten unter rätselhaften Umständen sterben, wird Farmer ungewollt in die Suche nach der Wahrheit hineingezogen.
Zwischen den letzten Tagen der Dönitz-Regierung, den Ermittlungen britischer Offiziere und den erschütternden Nachrichten aus den befreiten Konzentrationslagern geraten Gewissheiten ins Wanken. Was zunächst wie zwei ungeklärte Todesfälle erscheint, entwickelt sich zu einer Suche nach Verantwortung, Schuld und der Frage, wie ein Krieg wirklich endet. Vor dem Hintergrund realer Ereignisse erzählt der Roman eindringlich, sorgfältig recherchiert und menschlich.
Nachgefragt bei Tarek Bamberger
Was ist der zentrale Kern des Buches?
Mich interessiert die Frage, was Menschen tun, wenn plötzlich nichts mehr da ist – wenn niemand mehr Verantwortung übernimmt, die alten Werte und Gewissheiten zusammenbrechen und Orientierung verloren geht. Genau in einer solchen Situation spielt mein Roman. Am Ende des Dritten Reiches gab es Menschen, die Verantwortung übernommen und sich gefragt haben, was richtig ist. Das ist für mich einer der Fundamentsteine unseres demokratischen Rechtsstaates. Es gab aber auch die anderen, die die Augen verschlossen haben. Deshalb sind Erinnerungs- und Verantwortungskultur für mich keine Themen der Vergangenheit, sondern zentrale Säulen einer funktionierenden Demokratie.
Wie ist die Idee entstanden?
Eigentlich wollte ich schon immer schreiben. Irgendwann entstand der Wunsch, einen größeren Stoff zu erzählen. Mich beschäftigt vor allem: Was geschieht mit Menschen, wenn plötzlich alles wegbricht? Wie konnte aus der Leere nach 1945 wenige Jahre später ein demokratischer Staat wie die Bundesrepublik entstehen? Hinzu kommt ein persönlicher Bezug: Ich komme aus Flensburg. Mein Großvater strandete dort 1945, verwundet, ganz ähnlich wie meine Hauptfigur Joachim Farmer. Farmer geht den Weg, den ich meinem Großvater gewünscht hätte. Dass das Buch am 102. Geburtstag meines Großvaters erschienen ist, war für mich ein besonderer Moment.
Was sollen Leserinnen und Leser mitnehmen?
Ich wünsche mir, dass die Leserinnen und Leser das Buch mit der Erkenntnis schließen, dass Geschichte nie nur aus Daten, Politik oder großen Entscheidungen besteht. Sie wird immer von Menschen gemacht – von ihren Entscheidungen, ihrem Mut, ihrem Wegsehen oder ihrem Handeln. Vielleicht regt der Roman dazu an, sich selbst zu fragen, wie man in einer Situation gehandelt hätte, in der plötzlich nichts mehr selbstverständlich ist. Und vielleicht macht er deutlich, dass Verantwortung nicht erst bei den großen Entscheidungen beginnt, sondern oft bei den kleinen.
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